Dankbarkeit ist unbezahlbar
(10.05.2011) Qualifizierte Altenpflegerinnen und –pfleger sind auch im Kreis Viersen knapp geworden. Dabei sei die Pflege alter Menschen ein Traumberuf, finden Janine Oberste und Sandra Himmels. Die beiden Frauen arbeiten in Einrichtungen des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen.
Sichtlich wohl fühlt sich Heinz Hellekes, Bewohner im Altenheim Irmgardisstift Süchteln, zwischen Altenpflegerin Janine Oberste (rechts) und der Auszubildenden Sandra Himmels.
Es geschah zu Beginn ihrer Ausbildung. Sandra Himmels sollte im Altenheim Irmgardisstift Süchteln eine demenziell veränderte Bewohnerin pflegen. Schnell spürte sie jedoch, dass die schweigsame alte Frau sie nicht beachtete und sich abweisend verhielt. „Sie wollte mich nicht an sich ranlassen“, erinnert sich die Brüggenerin. Eine Woche lang beobachtete sie die alte Frau. „Ich wusste, dass sie Musik gerne mag und früher oft getanzt hat. Da habe ich ihr etwas vorgesungen und so den Zugang zu ihr gefunden“, berichtet sie. Plötzlich nahm die über 80-jährige Seniorin ihre Hand und strahlte sie an. „Das hat mich sehr stolz gemacht“, sagt Sandra Himmels.
Sie erlebt in ihrer Arbeit viele solcher Momente. „Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt die 40-jährige. Die gelernte Arzthelferin hat ein Jahr lang ihre Schwiegermutter gepflegt, bevor sie sich entschloss, eine zweite Ausbildung zur Altenpflegerin zu machen. Ihren Ausbildungsvertrag hat sie mit dem Altenheim Irmgardisstift Süchteln des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen abgeschlossen, die Theorie erlernt sie im Fachseminar für Altenpflege, das der Caritasverband in Nettetal unterhält.
Ein Praktikum in einer Senioreneinrichtung gab Janine Oberste die Gewissheit, in der Altenpflege ihren Traumberuf gefunden zu haben. Vor zwei Jahren schloss die 21-Jährige ihre Ausbildung mit dem Examen ab; heute arbeitet sie in der Caritas-Pflegestation Viersen. „Ich weiß, dass ich den Menschen helfe, und bekomme sehr viel Dankbarkeit zurück – das ist unbezahlbar“, meint die Süchtelnerin.
Janine Oberste und Sandra Himmels bedauern, dass Außenstehende den Beruf des Altenpflegers häufig auf bestimmte Tätigkeiten wie Waschen oder das Anreichen der Mahlzeiten reduzieren. „Warum hast du nicht Krankenschwester gelernt?“, ist Janine Oberste von Freunden gefragt worden. „Nur wenige sehen, dass bei uns neben dem medizinisch-pflegerischen Wissen auch viel Psychologie und soziales Engagement gefragt sind“, erläutert sie. Sie kommuniziere viel mit den Senioren, leite sie beispielsweise zur Bewegung oder zu Freizeitaktivitäten an und werde bei persönlichen Problemen oft um Rat gefragt. „Wir werden mit der Zeit zu Bezugs- und Vertrauenspersonen“, sagt sie.
Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl, Einfühlungsvermögen und Teamfähigkeit seien wichtige Eigenschaften, die ein Altenpfleger mitbringen müsse, erklärt Caris Lüders, die das Fachseminar für Altenpflege in Nettetal-Breyell leitet. Wer eine Karriere anstrebt, kann sich zur Wohnbereichsleitung, Pflegedienstleitung oder Einrichtungsleitung qualifizieren, ergänzt Patrick Pauls, Pflegedienstleiter im Altenheim Irmgardisstift Süchteln.
In dem Beruf lerne man schnell die „Selbstpflege“, berichten Sandra Himmels und Janine Oberste. Rückenschonendes Arbeiten gehört dazu, aber auch der Umgang mit Tod und Trauer. Angst vor dem eigenen Altwerden haben die beiden Frauen nicht. „Wir sehen, dass das Leben im Alter auch sehr schön sein kann. Solange es gut ausgebildete Altenpfleger gibt, mache ich mir keine Sorgen“, sagt Janine Oberste.
Info:
Seit 2003 gilt eine bundesweit einheitliche Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin bzw. zum Altenpfeger. Seither ist die Pflege alter Menschen kein sozial-pflegerischer Beruf mehr, sondern ein medizinisch-pflegerischer. Im Kreis Viersen werden ausgebildete Altenpfleger/innen gesucht. Seit Jahren haben alle Absolventen des Fachseminars für Altenpflege des Caritasverbandes sofort im Anschluss einen Arbeitsplatz in einem ambulanten Pflegedienst oder einer stationären Senioreneinrichtung gefunden. Nichts deutet darauf hin, dass sich dieser Trend in absehbarer Zeit umkehren könnte.


