Wege aus der Schuldenfalle
(22.06.2011) Jeder zwölfte Haushalt ist überschuldet. Über Wege aus der Schuldenfalle informiert die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen mit zwei Veranstaltungen.
Über ihr Angebot informieren die Schuldner- und Insolvenzberater des Caritasverbandes jetzt in zwei Veranstaltungen
1.729 Klienten suchten im vergangenen Jahr Hilfe bei den insgesamt vier Schuldnerberatern des regionalen Caritasverbandes. Im Jahr zuvor waren es noch 1.467 gewesen. „Wir beobachten seit Jahren, dass die Zahl der Ratsuchenden steigt“, sagt Michaela Lichy, Bereichsleiterin des Caritasverbandes.
Darunter sind immer mehr „harte Fälle“, wie Schuldnerberater Kurt Feldberg berichtet: „Viele kommen erst zu uns, wenn der Strom bereits abgestellt worden ist.“ Zuvor haben die Schuldner oft über einen längeren Zeitraum versucht, ihre Probleme selbst in den Griff zu bekommen. Manche schulden Verbindlichkeiten um, andere leihen sich Geld bei Verwandten oder Freunden. Auffällig ist auch, dass die durchschnittliche Zahl der Gläubiger gestiegen ist. Bei 60 Prozent aller Klienten im vergangenen Jahr waren es mehr als zehn.
Das Spektrum der Ratsuchenden ist groß. „Vom Akademiker bis zum Arbeitslosen ist fast alles dabei“, so Feldberg. Nicht entscheidend sei die Höhe der Schulden: Für den einen könnten 1.000 Euro genauso drückend sein wie für einen anderen 100.000 Euro. Fast 40 Prozent der Klienten des letzten Jahres hatten einen Schuldenberg von jeweils mehr als 25.000 Euro angehäuft. Ursachen für die Überschuldung sind oft persönliche Schicksalsschläge wie Arbeitslosigkeit oder Trennung, aber auch die einfachen Möglichkeiten, sich Geld für den privaten Konsum leihen zu können.
Wenn gar nichts mehr geht, kann das private Insolvenzverfahren ein Ausweg sein. „Viele unserer Klienten haben inzwischen die so genannte sechsjährige Wohlverhaltensperiode erfolgreich bewältigt und sind jetzt von ihrer Restschuld befreit worden“, berichtet Kurt Feldberg. Erst vor wenigen Tagen habe beispielsweise ein 46-jähriger Klient den positiven Bescheid vom Insolvenzgericht erhalten. „Er kann jetzt wieder bei null anfangen und über sein gesamtes Nettoeinkommen verfügen“, erläutert Feldberg. Fast immer falle jedoch bereits bei Eröffnung des Verfahrens der psychische Druck von den Schuldnern ab. „Zudem haben die meisten dann mehr Geld zur Verfügung als vorher“, sagt der Berater.
Über das Privat-Insolvenzverfahren werden Kurt Feldberg und Franz-Peter Steeger am Dienstag, 28. Juni, von 17.00 bis 19.00 Uhr ausführlich informieren. Die Besucher erfahren, für wen es in Frage kommt und wann, was dabei beachtet werden muss und mit welchen Kosten es verbunden ist.
Über den richtigen Umgang mit Geld und das Angebot der Schuldnerberatung spricht Beraterin Elisabeth Steigels am kommenden Montag, 27. Juni, ab 9.30 Uhr im Rahmen des Frauenfrühstücks des Mehrgenerationenhauses Viersen des Caritasverbandes.
Beide Veranstaltungen finden im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung statt im Bistro des Hauses der Caritas, Heierstraße 17 in Viersen. Die gemeinsam mit dem Mehrgenerationenhaus ausgerichteten Treffen richten sich sowohl an Betroffene als auch an Helfer und Engagierte im sozialen Bereich. Der Besuch ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Kontakt: Schuldner- und Insolvenzberatung, Kurt Feldberg, Tel. 02162-93893565.
Info
Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes ist zuständig für Viersen, Schwalmtal, Brüggen und Niederkrüchten. Das Angebot wird finanziert vom Kreis Viersen (Personalkosten der Schuldnerberatung), vom Land (größter Teil der Personalkosten der Insolvenzberatung) sowie vom Sparkassenfonds und aus Kirchensteuermitteln des Caritasverbandes. Es gibt zwei Beratungsstellen in Viersen und Waldniel. Für Bürgerinnen und Bürger aus Brüggen bietet Beraterin Sabine Broekmans (Tel. 02163-459836) nach vorheriger Absprache eine Sprechstunde vor Ort an.


