„Bufdis” tun Senioren gut
(02.08.2011) Seit einigen Tagen leistet Hagen Endrikat seinen Bundesfreiwilligendienst im Paulus-Stift des Caritasverbandes in Viersen. Der 17-Jährige möchte etwas für sich und die Gesellschaft tun.
„Bufdi“ Hagen Endrikat spielt mit Elisabeth Wittig (links) und Marliese Fussen „Mensch ärgere dich nicht“ auf der Terrasse des Paulus-Stifts. Einrichtungsleiter Christian Schrödter (stehend links), Peter Fegers (daneben) und Dennis Zimmermann schauen zu.
Elisabeth Wittig nimmt den Würfel und rollt ihn über den Tisch. Eine Sechs. Sie bewegt ihre Spielfigur über das Feld. Dann blickt sie zu ihrem jungen Mitspieler: „Sieht gut für mich aus, was?“, sagt die Bewohnerin des Paulus-Stifts. „Klar“, antwortet Hagen Endrikat lächelnd. Seit einer Viertelstunde spielt er mit Elisabeth Wittig und Marliese Fussen „Mensch ärgere dich nicht.“ Die beiden alten Damen haben Spaß. Der 17-jährige Viersener auch.
Seit dem 1. August absolviert Hagen den Bundesfreiwilligendienst im Paulus-Stift des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen. Hier übernimmt er betreuerische und pflegehelferische Tätigkeiten. Er hilft beispielsweise den Bewohnerinnen und Bewohnern bei den Mahlzeiten, schneidet ihnen die Speisen klein und reicht sie ihnen an, verteilt Getränke in den Wohnbereichen, unterhält sich mit den Senioren und geht mit ihnen nach draußen in den Park. „Solche Aufgaben haben bislang die Zivildienstleistenden ausgeführt“, sagt Christian Schrödter, Leiter des Paulus-Stifts. Er freut sich über die Unterstützung durch den neuen „Bufdi“, wie die Bundesfreiwilligen in Anlehnung an die weggefallenen Zivis genannt werden.
Vor einigen Wochen hat Hagen sein Abitur am Clara-Schumann-Gymnasium in Dülken gemacht. Er will studieren, weiß aber noch nicht genau, was. „Bevor ich irgendwo jobbe, wollte ich bewusst Erfahrungen im sozialen Bereich sammeln“, erzählt er. So könne er etwas für sich und die Gesellschaft tun. Teilweise sei seine neue Aufgabe recht anstrengend, fügt er hinzu. Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind demenziell verändert. „Da muss man sich im Gespräch oft wiederholen“, sagt Hagen.
Demnächst bekommt der 17-Jährige Verstärkung. Mit Peter Fegers und Dennis Zimmermann beginnen Anfang September zwei weitere „Bufdis“ ihren Dienst im Paulus-Stift. Auch diese beiden Viersener haben gerade die Schule abgeschlossen. „Ich möchte vor dem Studium etwas Sinnvolles machen und meine soziale Kompetenz erweitern“, berichtet Peter Fegers (19). Der 22-jährige Dennis Zimmermann will herausfinden, ob ihm die Arbeit mit älteren Menschen liegt und Spaß macht.
„Gerade in einer Senioreneinrichtung ist es wichtig, dass junge Menschen mitarbeiten, damit wir ein gutes generationsübergreifendes Klima schaffen“, betont Christian Schrödter. Der Leiter des Paulus-Stifts hofft auch darauf, dass beim einen oder anderen Bundesfreiwilligen das Interesse für eine berufliche Laufbahn im Altenpflegebereich geweckt wird. „Es wird immer schwerer, Fachpersonal zu finden, wir können Nachwuchs dringend gebrauchen“, erläutert Schrödter. Gute Perspektiven für junge Menschen böten auch Studiengänge wie etwa Pflegemanagement oder Sozialarbeit, sagt Schrödter, der selbst Gerontologe ist und eine Zusatzausbildung zum Leiter von Senioreneinrichtungen absolviert hat.
Hagen Endrikat spielt immer noch „Mensch ärgere dich nicht“. Gerade hat Elisabeth Wittig eine seiner Figuren aus dem Feld geschlagen. Marliese Fussen lacht den „Bufdi“ an: „Nicht ärgern“, meint sie. Die beiden Seniorinnen freuen sich sichtlich über die Gesellschaft des jungen Mannes. „Das tut gut“, sagen sie.
Info
Der neue Bundesfreiwilligendienst bietet die Möglichkeit, sich nach der Schule für einen Zeitraum zwischen sechs und 24 Monaten gesellschaftlich zu engagieren. Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten reicht vom Umwelt- und Naturschutz über Sport, Integration und Kultur bis zur Bildung und dem sozialen Bereich. Die Engagierten erhalten ein monatliches Taschengeld von 330,00 Euro sowie einen Zuschuss zu den Verpflegungskosten (30,00 Euro). Der Bundesfreiwilligendienst kann als Wartesemester für das Studium angerechnet werden. Der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen bietet mehrere Stellen an (Tel. 02162-938930, www.caritas-viersen.de). Weitere Einsatzstellen gibt’s unter www.bundesfreiwilligendienst.de


