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Trauercafé des Caritasverbandes besteht ein Jahr

Mit dem Tod des Partners leben

(08.12.2011) Seit einem Jahr bietet der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen ein Trauercafé an. Inzwischen kommen etwa zwölf jüngere Trauernde regelmäßig zu den Treffen.

Trauercafe-2Susanne Kiepke-Ziemes (2.v.l.) und Michael Dörmbach (links) leiten das Trauercafé des Caritasverbandes für Menschen, die ihren Partner verloren haben.Als seine Frau starb, vor mehr als drei Jahren war das, war Benno Hennig körperlich und seelisch am Ende. „Ich konnte pro Nacht nur zwei Stunden schlafen“, erinnert er sich. Über drei Jahrzehnte waren die beiden zusammen, dann kam der Krebs. Im Juni 2007 erhielt sie die Diagnose, 15 Monate später ging ihr Leidensweg zu Ende. Das letzte halbe Jahr hatte der heute 58-Jährige seine kranke Frau gepflegt.

Nach ihrem Tod suchte er eine Gruppe von Menschen, die ebenfalls um einen nahen Angehörigen trauerten. „Ich hatte Angst, dass ich das allein nicht gebacken kriege“, sagt er. Zunächst fand der Dülkener nur eine Anlaufstelle in Mönchengladbach, vor einem Jahr erfuhr er dann, dass der regionale Caritasverband in Viersen ein neues Trauercafé anbot. Seither gehört er der Gruppe an, die sich alle vier Wochen unter der Leitung der Familientherapeutin Susanne Kiepke-Ziemes und des Gemeindesozialarbeiters Michael Dörmbach im Haus der Caritas trifft.

Rund zwölf Trauernde im Alter von Anfang 40 bis etwa 60 Jahre kommen inzwischen regelmäßig. Jeder von ihnen hat seinen Partner verloren. Ihr Mann sei im Februar plötzlich verstorben, berichtet eine Frau, eines Morgens habe er tot neben ihr im Bett gelegen, und erst jetzt realisiert sie, dass sie ihn nie mehr in den Arm nehmen kann. „Manchmal fühle ich mich, als säße ich auf einer Rutschbahn, die mit Seife eingeschmiert ist, und rutsche durch und komme ganz unten an“, sagt sie.

Eine andere Frau, Anfang 40, erzählt, dass ihr Mann im letzten Jahr am 23. Dezember verstorben ist. „Jetzt naht wieder Weihnachten und ich bekomme Panik vor den Feiertagen.“ Bei einem Teilnehmer ist es zweieinhalb Jahre her, dass seine Frau bei einem Unfall ums Leben kam: „Ich habe viele Bekannte, ich pflege ein Hobby, aber es ist nicht mehr so wie vorher.“ Immer noch erlebe er oft schlechte Tage. „Das verstehen einige aus meinem Umfeld nicht, sie meinen, es müsste doch langsam mal gut sein.“ Die anderen nicken. Viele haben ähnliche Erfahrungen gemacht. In der Gruppe werden sie verstanden. „Ich fühle mich hier total geborgen, weil alle das gleiche Schicksal haben wie ich“, meint eine Teilnehmerin. Und eine andere ergänzt: „Es gibt mir Kraft, dass ich hier reden kann und wir auch zusammen weinen können.“

Trauer sei keine Krankheit, meint Benno Hennig, aber wenn Trauer nicht bearbeitet werde, könne sie krank machen. Trauerarbeit sei Schwerstarbeit: „Das Schlimmste ist, wenn du vereinsamst“, fügt er hinzu. Trauernde sollten von sich aus auf andere zugehen, rät er Betroffenen: „Die Leute wissen nicht, wie sie mit dir umgehen sollen, und dann machen sie das Falscheste, was sie tun können, nämlich gar nichts.“

Die Wunde des Verlustes werde sie behalten und die werde auch nicht heilen, glaubt eine Witwe, aber sie wolle lernen, so etwas wie Lebensfreude zu empfinden. Das fühle sie heute selten. Benno Hennig kann das gut nachvollziehen. Ein Bekannter von ihm hat es einmal so auf den Punkt gebracht: „Den eigenen Tod musst du nur sterben. Mit dem Tod des Partners hingegen musst du leben – das ist schwieriger.“

Info:
Das Trauercafé des Caritasverbandes wird in Kooperation zwischen dem seit 2006 laufenden Projekt „Würdige Sterbebegleitung“ und dem Mehrgenerationenhaus Viersen durchgeführt. Es findet an jedem dritten Donnerstag im Monat um 18.00 Uhr im Bistro des Mehrgenerationenhauses im Haus der Caritas, Heierstraße 17 in Viersen, statt. Das nächste Treffen ist am 15. Dezember. Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Kontakt: Caritasverband für die Region Kempen-Viersen, Susanne Kiepke-Ziemes, Tel. 02162-93893592, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. www.caritas-viersen.de