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Caritas bildete Pflegefachkräfte zu Systemischen Beratern fort

(15.10.2013) Die Aufschrift auf dem Kuchen zur Abschlussfeier brachte das Motto auf den Punkt: „Gut gefragt ist halb gewonnen“, hieß es da. Genau daran wollen sich die 18 Pflegefachkräfte künftig halten, die jetzt den bundesweit ersten Weiterbildungskurs zur „Systemischen Beratung in der Pflege“ abgeschlossen haben. Während einer Feierstunde in der Bildungsstätte Kühlerhof (Erkelenz) überreichten ihnen Peter Babinetz, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen, und Bereichsleiterin Beate Caelers ihre Zertifikate.

Systemische Beratung AbschlussWährend einer Feierstunde erhielten die neuen „Systemischen Berater in der Pflege“ ihre Zertifikate von Caritas-Geschäftsführer Peter Babinetz (rechts).Das Pilotprojekt hatte Susanne Kiepke-Ziemes ins Leben gerufen. Sie koordiniert das Projekt „Würdige Sterbebegleitung“ beim regionalen Caritasverband. „Wir haben uns gefragt, wie unsere Mitarbeiter in der ambulanten Pflege die pflegebedürftigen Menschen und deren Zugehörigen noch besser unterstützen können“, sagt sie. Die Antwort: Die Pflegefachkräfte könnten lernen, das gesamte System Familie in den Blick zu nehmen, die Bedürfnisse der Beteiligten zu erfragen, komplexe Situationen in den Familien zu analysieren und hilfreiche Impulse für Änderungen zu geben. Gemeinsam mit Dr. Wilhelm Rotthaus, dem langjährigen Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie Viersen, und der Lehrtherapeutin Heike Waldhausen entwickelte sie die Lehrpläne für die rund einjährige Fortbildung.

„Für unsere tägliche Praxis ist das Gelernte ein Riesenschritt“, berichtet Absolventin Petra Beck, die die Tagespflege Nettetal des regionalen Caritasverbandes leitet. Sie könne nun eine andere Position in der Beratung von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen einnehmen: „Wir arbeiten nicht mehr rein lösungsorientiert, sondern eröffnen den Betroffenen Handlungsperspektiven und helfen ihnen so, die Lösung für ein Problem selbst zu finden“, so Beck.

„Menschen wollen zu Hause gepflegt werden und dort sterben“, sagte Caritas-Geschäftsführer Babinetz während der Abschlussfeier. Der regionale Caritasverband wolle das häusliche Pflegesystem stärken, situationsgerechte Hilfe leisten und einen systemischen Ansatz in der Beratung verfolgen, erläuterte er. Babinetz dankte während der Feierstunde nicht nur den Referenten und Teilnehmern, sondern auch der Nettetaler Stiftung zur Unterstützung von Jugend und Alter, die das Projekt „Würdige Sterbebegleitung“ finanziert und so auch die neue Fortbildung ermöglichte.

„Unser Medizinsystem krankt daran, dass es ausschließlich auf das Individuum schaut – aber niemand ist alleine krank“, erklärte Dr. Wilhelm Rotthaus. Deshalb sei es wichtig, gerade in einer hoch emotionalen und belastenden Situation wie dem Sterbeprozess den Blick auf alle Beteiligten zu richten und den Patienten und seine Angehörigen als „Experten für ihr Leben“ anzusehen. Er selbst habe das Sterben seiner Mutter als bereichernd erlebt. „Wir konnten früh darüber sprechen und ich wünsche allen, dass sie diese Phase mit ihren Angehörigen intensiv und möglichst spannungsfrei gestalten“, so Rotthaus. Diesen Prozess könnten die Pflegefachkräfte durch einen systemischen Ansatz in der Beratung unterstützen. „Dieses Konzept sollte verstärkt in die Ausbildung von Altenpflegerinnen und Altenpflegern genommen werden“, regte Rotthaus an.