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Caritas: Immer mehr Menschen benötigen Hilfe

Gleichzeitig verschlechtern sich die Rahmenbedingungen

(11.06.2014) Der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen verzeichnet eine steigende Nachfrage nach pflegerischen Leistungen. Gleichzeitig muss er seine Arbeit für Menschen in Not unter schwierigeren Bedingungen leisten.

Caritas-Jahresbilanz 2013-4Vorsitzende Dr. Ingeborg Odenthal und Geschäftsführer Peter Babinetz stellten den Jahresbericht 2013 des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen vor.„Immer mehr pflegebedürftige Menschen benötigen unsere Hilfe“, sagen die 1. Vorsitzende Dr. Ingeborg Odenthal und Geschäftsführer Peter Babinetz. Die sechs Caritas-Pflegestationen im Kreis Viersen verzeichneten 2013 erneut eine Rekordnachfrage: 3.782 Menschen wurden in ihrem häuslichen Umfeld von der Caritas gepflegt. Damit kletterte die Zahl der Patienten im dritten Jahr hintereinander auf einen neuen Höchststand. Den größten Zuwachs verzeichnete die Altersgruppe der 71- bis 80-jährigen Frauen und Männer. Insgesamt waren fast drei Viertel aller Patienten (2.718) älter als 70 Jahre.

Problematisch ist es laut Babinetz, dass die Vergütungssätze der Krankenkassen die Kosten oft nicht decken: Sämtliche Leistungen werden pauschal vergütet, unabhängig vom tatsächlichen Zeitaufwand. Darauf hatte der Caritasverband im letzten Jahr gemeinsam mit den anderen freien Wohlfahrtsverbänden mit der Kampagne „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“ aufmerksam gemacht. Sie erreichten einen Teilerfolg: Im Herbst gab es Entgelterhöhungen, die jedoch die Kostensteigerungen der letzten Jahre nicht ausgleichen.

Betreutes Wohnen: Engagement erheblich ausgeweitet
Erheblich ausgeweitet hat der Caritasverband sein Engagement im Rahmen des „Betreuten Wohnens“ für Senioren. Zu den bisherigen fünf Standorten kamen weitere vier hinzu. Inzwischen betreuen Caritas-Mitarbeiterinnen die Mieter in insgesamt 218 Wohnungen in Kempen, Willich und Viersen. Bereits seit 1992 verfügt die Caritas über Erfahrungen im Bereich des Wohnens mit Service.

Ambitioniertes Projekt
Nach langer Planungsphase fiel Ende 2013 der Startschuss zu einem der ambitioniertesten Projekte in der fast 95-jährigen Geschichte des regionalen Caritasverbandes: Das denkmalgeschützte Altenheim Irmgardisstift Süchteln wird zu einem Seniorenzentrum weiterentwickelt und damit dauerhaft in seinem Bestand gesichert. Weitere Meilensteine in der Arbeit des vergangenen Jahres waren die Eröffnung des neuen Wohn- und Dienstleistungszentrums mit einer Tagespflege in Dülken, die Umsetzung einer Satzungsreform und die Überführung des Willicher Begegnungszentrums KRUMM in einen eingetragenen Verein.

Um den weiter steigenden Bedarf an Pflegefachkräften zu decken, bildet die Caritas inzwischen mehr als 30 Frauen und Männer zu examinierten Altenpflegerinnen und Altenpflegern aus – eine Steigerung im Vergleich zum Jahr 2012 um rund die Hälfte. Zudem wurde die Kapazität des Fachseminars für Altenpflege verdoppelt. Aus Platzgründen zieht die Einrichtung demnächst von Nettetal an den Kränkelsweg nach Viersen um.

Herausforderung Wirtschaftlichkeit
Trotz der positiven Jahresbilanz blicken Ingeborg Odenthal und Peter Babinetz sorgenvoll in die Zukunft. „Es wird zu einer immensen Herausforderung, die Wirtschaftlichkeit unserer Dienste und Einrichtungen sicherzustellen“, sagen sie. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Die Finanzierung der Leistungssysteme hinkt der Kostenentwicklung immer stärker hinterher. Beispielsweise bezahlt die Caritas, anders als manch anderer Anbieter, alle ihre Beschäftigten nach Tarif. Wirtschaftliche Handlungsräume werden immer mehr eingeschränkt, reglementiert oder gänzlich zurückgefahren. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch den Fach- und Führungskräftemangel in der Pflege.

Ein Beispiel für unzureichende Finanzierung ist das Fachseminar für Altenpflege. Die Einrichtung wird bereits ab diesem Jahr erneut dauerhaft ins Minus rutschen, wenn das Land NRW nicht seine Finanzierung von derzeit 280 Euro pro Schüler und Monat auf mindestens 360 Euro erhöht. Babinetz: „Es grenzt an einen Skandal, dass das Land die Fachseminare nach wie vor nicht ausreichend finanziert und die Träger wirtschaftlich im Regen stehen lässt. Wie das zu den Klagen über den drohenden Pflegenotstand passt, bleibt das Geheimnis der verantwortlichen Politiker.“

„Anschlag auf die Altenheime“
Weiteres Unheil aus Düsseldorf droht dem Caritasverband und vielen anderen Trägern auch im Bereich der stationären Pflege alter Menschen: „Wenn das neue Pflegerecht NRW so kommt, wie es derzeit geplant ist, können viele Altenheime in ihrer Existenz gefährdet sein“, sagt Peter Babinetz. Fachleute sprechen sogar von einem „Anschlag auf die Altenheime“. Babinetz: „Betroffen wären letztlich die alten Menschen, die künftig weniger Wahlmöglichkeiten und schlechtere Versorgungsangebote haben werden, wenn die Pläne so umgesetzt werden.“

Auch bei der Finanzierung von Kindertagesstätten sorgen die Rahmenbedingungen für Probleme. Zwar erhalten die Träger vom Land jährlich 1,5 Prozent mehr zur Refinanzierung der anrechenbaren Kosten. „Das aber ist viel zu wenig, wenn zum Beispiel die tariflichen Personalkosten, wie im letzten Jahr, um 4,25 Prozent steigen“, so Peter Babinetz. Das Land wolle Qualität, sei aber nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen. Der Caritasverband unterhält zwei integrative Kindertagesstätten in Dülken und Süchteln.

Fakten
Ende 2013 beschäftigte der Caritasverband 585 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 34 Auszubildende. Hinzu kamen rund 280 ehrenamtlich Engagierte sowie insgesamt 16 Frauen und Männer, die ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst leisteten. Überdurchschnittlich gut schnitten die Einrichtungen der Caritas bei den turnusmäßigen Qualitätsprüfungen durch die Krankenversicherungen ab. Alle sechs Caritas-Pflegestationen lagen zum Teil deutlich über dem Landesdurchschnitt, zudem wurden das Altenheim St. Michael in Waldniel und das Paulus-Stift in Viersen mit der Höchstnote 1,0 bewertet.