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Wenn die Rente nicht reicht...

Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes begleitete 1.420 Klienten – Mehr überschuldete Senioren

(24.05.2018) Die Wirtschaft boomt, die Zahl der arbeitslosen Menschen geht zurück – und dennoch: Nach wie vor benötigen viele überschuldete Bürgerinnen und Bürger die Unterstützung der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen. Die Nachfrage ist unverändert hoch. Immer häufiger sind ältere Menschen von Armut und Überschuldung betroffen.

„Weg mit den Schulden“: Zu einer Infoveranstaltung am 5. Juni laden Gundi Bachem (links) und Elisabeth Mankertz von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes ein.„Weg mit den Schulden“: Zu einer Infoveranstaltung am 5. Juni laden Gundi Bachem (links) und Elisabeth Mankertz von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes ein.Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes ist zuständig für die Stadt Viersen und die Gemeinden Brüggen, Schwalmtal und Niederkrüchten. Im vergangenen Jahr haben die vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insgesamt 1.420 Menschen beraten (2016 waren es 1.416). Davon kamen 445 Klienten neu dazu. Auch die Zahl der Beratungen zum Verbraucher-Insolvenzverfahren lag mit 239 auf dem Niveau des Jahres 2016, wie die Schuldnerberaterinnen Elisabeth Mankertz und Gundi Bachem berichten. Der jüngste Klient ist 17, die ältesten fast 90 Jahre alt.

Immer öfter stellt der Caritasverband fest, dass ältere Menschen überschuldet sind. Elisabeth Mankertz schildert ein Bespiel: Eine Seniorin kann nach dem Tod ihres Mannes die Kosten für Haus und Lebensunterhalt nicht mehr tragen, weil sie nur eine sehr kleine Rente erhält. Schon während der Krankheit ihres Mannes sind Rechnungen unbezahlt geblieben. Schließlich erfährt ein Bekannter von der Situation – und informiert die Schuldnerberatung. „Die Klientin muss nun ihr Haus verkaufen und ausziehen“, erläutert Mankertz.

Der Tod des Partners, Kosten für Pflege oder ein Altenheim, eine verminderte Rente wegen eines gesundheitlich bedingten vorzeitigen Ruhestands – es gibt viele Gründe, weshalb ältere Menschen in die Überschuldung geraten. Und häufig ist kein Wohneigentum vorhanden. Ein Ehepaar etwa hatte während der aktiven Berufszeit des Mannes Kredite aufgenommen. Als Rentner konnten sie die Raten nicht mehr zahlen. Inzwischen sind sie weit über 80, der Mann ist ein Pflegefall. „Ihre Rente liegt unterhalb der Pfändungsgrenze; sie werden ihre Verbindlichkeiten von mehr als 40.000 Euro nicht mehr zurückzahlen können“, berichtet Mankertz.

Die Schuldnerberater wissen, dass die Arbeit mit älteren Klienten besonders viel Einfühlungsvermögen erfordert – nicht nur, weil vielen der Umgang mit Behördern und den modernen Kommunikationsmitteln schwer fällt. „Gerade bei Senioren ist das Moral- und Pflichtgefühl häufig stark ausgeprägt. Sie wollen ihre Verbindlichkeiten unbedingt erfüllen, auch wenn sie damit ihre eigene Existenz gefährden“, sagt Gundi Bachem. Häufig stellen die Kinder im Zuge einer Erkrankung der Eltern fest, wie es finanziell aussieht.

Die Schuldner- und Insolvenzberater der Caritas arbeiten eng mit den Seniorenberatungen der Kommunen sowie weiteren Institutionen, wie etwa gesetzliche Betreuer oder Mitarbeiter im Betreuten Wohnen, zusammen. „So können wir existenzsichernde Maßnahmen und zusätzliche Hilfen anbieten und vermitteln“, erklärt Gundi Bachem. Unabhängig vom Alter der überschuldeten Menschen sei es wichtig, dass Nachbarn, Angehörige und andere aufmerksam seien, Hilfe anbieten und bei Bedarf den Kontakt zur Schuldner- und Insolvenzberatung herstellen. Häufig hätten die Betroffenen neben finanziellen Schwierigkeiten auch soziale Probleme. Wie wichtig das Thema ist, zeigt diese Zahl: Bundesweit sind 6,9 Millionen Menschen überschuldet oder haben nachhaltige Zahlungsprobleme.

Kontakt:
Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes ist im Haus der Caritas in Viersen (Tel. 02162-93893565) und unterhält Außenstellen in Dülken (Tel. 02162-1022972) und Waldniel (02163-459836). Mit den Beraterinnen und Beratern können individuelle Gesprächstermine vereinbart werden.

Infoveranstaltung am 5. Juni
Mit einer Infoveranstaltung am Dienstag, 5. Juni (18.30 Uhr, Haus der Caritas, Heierstraße 17 in Viersen), wendet sich die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes an Angehörige, Interessenten und Menschen, die Betroffene in einer Verschuldungssituation auf ihrem Weg begleiten. Elisabeth Mankertz und Gundi Bachem sprechen unter anderem über das Thema Vollstreckung, erläutern das Insolvenzverfahren und beantworten Fragen der Besucher. Die Veranstaltung ist eingebettet in die bundesweite „Aktionswoche der Schuldnerberatung“, die vom 4. bis 8. Juni stattfindet. Der mehrdeutig zu verstehende Titel: „Weg mit den Schulden!“

 

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