„Zu jung, um alt zu sein“ – mit dem Motto des Engagement-Workshops im Pfarrzentrum St. Maria in Willich-Neersen konnten sich die Teilnehmenden identifizieren.Caritas / Kreuteler
Wenn das Berufsleben endet, beginnt für viele Menschen eine Lebensphase, in der plötzlich etwas ganz Entscheidendes vorhanden ist, das vorher oft knapp war: Zeit. Und damit verbunden stellt sich dann womöglich die Frage: "Was möchte ich mit meiner Zeit anfangen?" Um das herauszufinden, haben sich Quartiersmanagerin Jeannette Gniot und Melina Friedrich, Leiterin des Freiwilligen-Zentrums Willich unter Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen, ein außergewöhnliches Workshop-Konzept einfallen lassen, das nun Premiere feierte. Eingeladen waren Willicher Bürgerinnen und Bürger im Alter von 55 bis 75 Jahren, die Lust haben, ihre neue Lebensphase aktiv zu gestalten und dabei vielleicht auch ein passendes Ehrenamt zu entdecken.
Der Titel "Zu jung, um alt zu sein" hatte 30 Teilnehmende zur Anmeldung motiviert. Bei der Begrüßung bekräftigten die beiden Organisatorinnen, dass der Renteneintritt den Aufbruch in etwas Neues ermöglicht. "Man kann Dinge ausprobieren, für die früher keine Zeit war. Man kann Menschen kennenlernen, die man sonst vielleicht nie getroffen hätte. Und man kann Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen, die über viele Jahre gewachsen sind", zeigte Jeannette Gniot auf. Mit einem eigens für den Workshop entwickelten "Engagement-Pass" hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich laufend Notizen zu ihren Interessen, Erlebnissen und Erkenntnissen zu machen.
Nach dem ersten Teil des Workshops ging es an ein Speed-Dating, bei dem acht Organisationen sich in acht Runden über jeweils acht Minuten selbst mit ihren Mitmach-Angeboten vorstellten und Fragen beantworteten. Die Bandbreite war groß und reichte von den Heimat- und Geschichtsfreunden über den Arbeitskreis Fremde, den NABU, den Bürgerbus, den Senioren-Computerclub, die Altenhilfe und den Turnverein bis hin zum Familiengrundschulzentrum. So konnten die Teilnehmenden ganz unkompliziert und ohne Verpflichtungen unterschiedliche Engagement-Möglichkeiten kennenlernen, herausfinden, was zu den eigenen Interessen passt, und erste Kontakte knüpfen. Zum Abschluss blieb Zeit, das eigene Engagement-Profil zu erstellen und auf die nächsten Schritte zu blicken, ohne bereits eine Entscheidung treffen zu müssen.
Der Workshop wurde im Rahmen des Aktionsjahres "Willich gemeinsam, ein Jahr gegen Einsamkeit" entwickelt und durchgeführt. Den Organisatorinnen war dabei wichtig herauszuarbeiten, wie Menschen auch in einer neuen Lebensphase mit anderen verbunden bleiben und Teil einer Gemeinschaft sein können. Freiwilliges Engagement bietet dafür viele Möglichkeiten, sagt Melina Friedrich: "Man trifft regelmäßig andere, übernimmt gemeinsam Verantwortung, erlebt Wertschätzung und gestaltet das eigene Umfeld mit. Aus einem gemeinsamen Projekt kann ein neuer Kontakt entstehen - und aus einem Kontakt vielleicht sogar eine Freundschaft."