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Caritas-Mitarbeiter im Gespräch mit einer alten Dame
Sozialcourage Häusliche Gewalt

Gewalt nicht aushalten, sondern gehen

Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses in Ingolstadt kümmern sich um die Opfer häuslicher Gewalt. Frauen, die hierherkommen, haben oft alles verloren: Selbstvertrauen, die Gesundheit, die Wohnung. Häufig sind Kinder mit dabei. Um die Ursachen und Ausprägungen häuslicher Gewalt bekannt zu machen, geht das Frauenhaus auch in Schulklassen.

Die Leiterin – Marianne Frinken 

Im Büro des Frauenhaueses der Caritas in Ingolstadt sitzt Marianne Frinken. Seit 1991 leitet sie die Einrichtung der Caritas. Die Diplom-Sozialpädagogin weiß, was Männer Frauen antun können. Zwar war sie nicht selbst dabei, dennoch sieht sie die Folgen an ihren Klientinnen: Knochenbrüche, Gesichtsverletzungen, Hämatome. Das verheilt. Schlimmer sind oft die unsichtbaren Verletzungen, die seelische Gewalt. Wenn sie jahrelang vom eigenen Partner erniedrigt und gedemütigt werden.

 

Marianne Frinken erklärt ihre Rolle in den Beziehungsdramen so: "Frauen, die zu uns kommen, befinden sich in einer Krise. Wir haben dabei eine Lotsenfunktion. Wir unterstützen sie und vermitteln Hilfen wie Psychologen oder Anwälte. Dann bleiben sie so lange bei uns, bis sich ihre Situation geklärt hat, bis sie in eigene Wohnungen ziehen können oder zurück in die Beziehung gehen. Das kann bis zu einem Jahr dauern." 

Die Betroffene – Jana Matei 

Collage zum Thema Häusliche GewaltVater, Mutter, Kind. Und dann plötzlich: Gewaltmensch, Opfer, Opfer.Schall & Schnabel

Seit fünf Monaten lebt Jana Matei (Name geändert), 29 Jahre alt, mit ihren beiden Kindern im Frauenhaus und teilt sich mit den anderen Frauen Küche, Bad und Wohnzimmer. Sie kam mit Anfang zwanzig aus Südosteuropa nach Deutschland zu ihrem Mann. Sie heirateten, sie brachte eine Tochter und einen Sohn zur Welt. 

Geschlagen hat er sie nicht. Aber Gewalt muss nicht auf der Haut sichtbar sein, Worte und Gesten können auch wehtun. Ihr Mann hat sie beschimpft, fertiggemacht und immer wieder die Wohnung verwüstet. Wenn seine Wutanfälle ganz schlimm wurden, hat er sie geschubst und bespuckt. 

Hätte ihr Sohn nicht gelitten, sie wäre vielleicht noch immer bei ihm. An Weihnachten im letzten Jahr haben sie und die Kinder es dann nicht mehr ausgehalten. Als er arbeiten war, hat sie im Frauenhaus angerufen, die Kinder genommen und sich mit einer Mitarbeiterin getroffen. Heute ist sie froh, den Schritt getan zu haben. Hier kann sie endlich wieder frei atmen.  

Die Erzieherin – Alice Böhmeke

Klingelt in den Büros das Telefon und bittet eine Frau mit Kindern um Hilfe, sorgt Alice Böhmeke dafür, dass genug Kleidung und Nahrung im Haus ist. Für Kinder gibt es in den Zimmern der Mütter insgesamt 14 Betten. Die Erzieherin kümmert sich um sie, redet und spielt mit ihnen. Wenn die Mama geschlagen oder gedemütigt wird, traumatisiert das viele. Manchen Kindern wurde auch selbst Gewalt angetan - seelische, körperliche, sexuelle. 

Vieles kann Alice Böhmeke mit den Kleinen spielerisch aufarbeiten. Im Spielzimmer erfahren manche zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie auch mit anderen reden können und Kommunikation nicht nur körperlich sein muss. Im Idealfall erreicht sie, dass die Kinder die Gewalt verarbeiten und später weder zu Tätern noch zu Opfern häuslicher Gewalt werden.

Die Aufklärerin – Vera Schoen

Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses haben im Jahr 2013 das Präventionsprojekt "PräGe" gestartet. Mitarbeiterin Vera Schoen geht in Schulen und klärt Schüler über häusliche Gewalt auf: Sie will die Kinder und Jugendlichen so für das Thema sensibilisieren und ihnen zeigen, wie man Übergriffe erkennt und sich dagegen wehren kann – bei Gewalt gegen sie selbst oder gegen Nachbarn oder Freunde. 

"Die meisten Schüler wundern sich, wenn ich sage, dass Übergriffe schon damit beginnen, unerlaubt in das Handy eines anderen zu schauen", sagt die junge Pädagogin. Dabei gehe es ihr aber weniger darum, mit dem Finger auf eingeübte Rollenmuster zu zeigen. Die Schüler sollen ihr Verhalten selbst hinterfragen. 


Eine ausführliche Reportage dazu lesen Sie in der Printversion der Sozialcourage 03/2015.

Autor/in:

  • Philipp Rudolf
Sozialcourage Ausgabe Sozialcourage, 03/2015: caritas.de
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