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Sozialcourage Interview

Zeit nehmen für ein Tandem

Der 29-jährige Daniel Lang engagiert sich freiwillig im Patenschaftsprogramm "Balu und Du", bei welchem Grundschulkinder in ihrer Freizeit individuell begleitet werden. Der Arbeitsvermittler für schwerbehinderte Menschen lebt in Bonn.

Mann mit Junge"Moglis" nennen sich die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren im Mentorenprogramm "Balu und Du".Daniel Lang

Weshalb engagieren Sie sich für "Balu und Du"?

Früher habe ich mich beim Katastrophenschutz engagiert. Ich finde es wichtig, ehrenamtlich etwas zu tun. Während des Studiums in Bremen ist mir "Balu und Du" schon aufgefallen. Jetzt lebe ich in einer neuen Stadt und lerne die mit meinem Mogli gemeinsam kennen. Er heißt Emanuel und ist zehnjähriger

Sohn eritreisch-äthiopischer Eltern, aber in Deutschland geboren, ein aufgeweckter Junge, der in die vierte Klasse geht.

Was muss man als Balu können oder mitbringen ?

Aufgeschlossenheit gegenüber dem Kind, das seinem Wesen nach halt nicht so strukturiert oder planvoll handelt. Geduld muss man auch mitbringen: Erfahrungen mit Zivildienst oder freiwilligem sozialen Jahr sind hilfreich. Und Zeit, man verpflichtet sich ja erst mal für ein Jahr, und die wöchentlichen Treffen dauern mindestens zwei und bis zu vier Stunden. Pro Monat hat man als Balu-und-Mogli-Gespann 15 Euro zur Verfügung: Davon waren wir im Kölner Zoo, in Bonn in der Ausstellung "Outer Space", und wir haben Zutaten für das gemeinsame Weihnachtsplätzchenbacken gekauft.*

Was macht Ihnen daran besonders Spaß?

Dass mir mein Mogli Emanuel auf seine spezielle Weise Anerkennung widerspiegelt: Er redet nicht viel darüber, aber dann sagt er: "Ohne dich ist es immer langweilig. Ich freue mich immer, wenn wir uns wiedersehen." Das ist einfach sinnvoll eingesetzte Zeit, die ich dem Kind gebe und für mich ebenso selbst erlebe. Meine Frau und ich haben noch keine Kinder, aber für mich ist das auch eine Vorbereitung darauf.

Gab es einmal etwas, das frustriert hat?

Frustriert nicht, aber die Geduld strapaziert. Als wir im Zoo waren, wollte ich möglichst viele Tiere sehen und ihm zeigen - er entdeckte den Abenteuerspielplatz, verbrachte dort zwei Stunden und dann wollte er wieder nach Hause. Ohne was vom Zoo gesehen zu haben. Da habe ich mich in die Lage von Emanuel versetzt, und das war für ihn interessanter. Nicht immer ist alles durchplanbar für mich als Erwachsenen. Es kommt auch nicht auf große Unternehmungen an; Eis essen und durch die Stadt schlendern, mit der Fähre nur über den Rhein fahren macht auch Freude.

Bringt Ihnen das Engagement persönlich etwas?

Das ist eine sinnstiftende Tätigkeit und ich nutze die Zeit, um das auch im Freundes- und Bekanntenkreis bekanntzumachen. Das könnten mehr tun, und das sehe ich als Teil meiner Aufgabe an.

Was sagen Freunde und Familie zu Ihrem Engagement?

Die sind erstaunt, was es alles gibt: Ich bin noch auf niemanden gestoßen, der "Balu und Du" kannte. Die finden das alle gut und interessant und haben sich auch informiert. Aber leider hat es mir noch keiner nachgemacht!

* Das Taschengeld beträgt an den 70 Standorten in der Regel zehn Euro. Die Caritas in Bonn ist großzügiger, das hilft Daniel Lang und Emanuel.

Autor/in:

  • Dr. Bernhard Seiterich
Sozialcourage Ausgabe Sozialcourage, 04/2015: caritas.de
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